Teeth (2007)
Kaum ein anderes Thema hat in der Vergangenheit so glamourös irrwitzige Porno-, Horror- und Pornohorrorverfilmungen hervorgebracht wie der wohl unter allen Männern dieser Erde verbreitete und gefürchtete Mythos der Vagina Dentata - auf Deutsch: die bezahnte Vagina. Während der Traum aller Zahnärzte den normalen männlichen Bürgern schlaflose Nächte bereitet frage ich mich während ich diese Zeilen schreibe, was es wohl ist, was uns den Oralsex genauso frenetisch feiern wie den bezahnten Vaginalsex fürchten lässt, denn Zähne hat immerhin beides und somit birgt auch beides die Gefahr einer möglichen wenn auch unwahrscheinlichen Kastration mitten im Liebesakt. Man stelle sich nur mal vor die erwählte Dame des Herzens unterliegt einem plötzlich und heftig auftretenden Niesanfall (ein kräftiger Nieser wird ja oft mit einem kleinen aber feinen nasalen Orgasmus verglichen, insofern ist das gar nicht so weit ab vom Schuss (”Schuss” ha.. ha…)). Aber machen wir uns mal keine unnötigen Gedanken, eine natürliche Angst um das einzig vorhandene Fortpflanzungsorgan und der damit zugrunde liegenden Existenzberechtigung ist sicherlich vollkommen normal und auch absolut gerechtfertigt.
Die offensichtliche Vermischung eines der schönsten Gefühle dieser Erde mit einem der schlimmsten lässt wohl bei jedem Menschen eine regelrechte Phobie entstehen. Das ist das gleiche wie beim Mythos der Rasierklingen im Apfel an Halloween. Während Emos sich reihenweise wie ein Zäpfchen über diese Gabe Gottes freuen, graust es dem normalen Kind wohl extrem vor der anfangs leckeren und plötzlich ungewöhnlich scharfkantigen Frucht. Generell sind gerade diese Kombinationen ein häufig in Horrorfilmen eingesetzter Trick um den psychischen Horror enorm zu steigern und somit beim Zuschauer tiefschürfenden Ekel zu wecken. Man erinnere sich nur aus die Szene aus dem “Dawn of the Dead” Remake vo Optikwunderkind Zack Snyder, in der ein Zombiebaby geboren wird. Jeder weiß: Baby = Cool. Zombie = Notso cool. Eher suboptimale Kombination also, perfekt für eine perfiden Horrorshow, genau wie eine Vagina Dentata.
Nun wurde der Stoff allerdings, meines Wissens jedenfalls, schon länger nicht mehr verwertet, und das Wort Qualität will ich mit den alten Schinken nicht mal im gleichen Satz. Erwähnen.
Mitchell Lichtenstein ist es der sich nun wieder getraut hat, und voll von guten Ambitionen schafft er es tatsächlich aus einem typischen C-Movie Thema eine Geschichte entstehen zu lassen die sich trotz ihrer puren Absurdität, wahrscheinlich aber auch gerade deswegen, hinter keinem anderen Film verstecken muss.
Die Grundstory will ich nur kurz abhandeln, denn genau wie im Film ist es auch eher die Entwicklung der Hauptperson über den Film hinweg, die fokussiert wird. Es geht um Dawn, Tochter einer Patchworkfamilie, die Eltern lieben sich, die Kinder hassen sich, was aber auch daran liegen kann dass die gute Dawn schon im zarten Alter von 3 Jahren ihrem etwas älteren Bruder ordentlich in den Finger biss, und das nicht mit dem Mund. Wer sich jetzt fragt was der Finger an dieser pikanten Stelle zu suchen hatte, der war wohl nie mit der Nachbarstochter baden.
Auch der Grund für die Mutation wird schnell erklärt, ein Atomkraftwerk steht in unmittelbarer Nähe, und das hat bekannterweise neben dreiäugigen Fischen sonst nur noch diese Wirkung auf Menschen. Wir springen in der Zeit, Dawn ist in der Pubertät, und schon rollen die ersten männlichen Geschlechtsorgane. Ein Junge der sie vergewaltigen will, der grobe Frauenarzt dessen Finger dran glauben müssen, und der scheinbar nette Junge von nebenan, der in Wirklichkeit nur eine Wette gewinnen will.
Viele Opfer verlieren ihre Männlichkeit während dem Sexualakt mit Dawn, was sie anfangs sichtlich stört. Doch nach und nach lernt sie damit umzugehen, sie entwickelt sich von einem eingeschüchterten kleinen Mädchen zu einer Person, die mit den Waffen einer Frau umzugehen weiß… besser gesagt, mit ihrer Waffe.
Der Film macht insgesamt vieles richtig. Seine unumgänglich absurden Situationen macht er durch die ernsthafte und seriöse Grundstimmung glaubwürdig. Ist man anfangs noch am zweifeln ob so ein Film klappen kann, merkt man schon nach kurzer Zeit dass es der Regisseur ernst meinte und uns hier einen vollkommen nüchternen Film präsentiert, der das Schicksal einer jungen Frau mit Zahnproblemen zeigt. Natürlich hat er trotzdem seine komischen Situationen, dennoch verkommt er nie zu einer Teenie-Komödie, dagegen spricht allein schon der Blutgehalt. Denn so ganz kann Teeth seine trashigen Wurzeln nicht verleugnen, und so fehlt es nicht an blutigen Szenen in denen man sieht, was so eine Vagina Dentata alles mit der männlichen Karotte, der Liebesstange, dem Lustlollipop oder der Nacktmulle machen kann.
Rein technisch ist der Film sehr guter Standard. Nichts Außergewöhnliches, aber alles sehr sauber und gekonnt inszeniert. Die Schauspieler liefern alle eine durchgehend gute Darstellung ihrer Charaktere ab, allen voran natürlich Jess Weixler in der Rolle der Dawn. Sie ist die perfekte Verkörperung des zuckersüßen Teenies mit einem Problem bei dem ihr keiner helfen kann. Ihre anfängliche Verzweiflung, Hilflosigkeit und Naivität spielt sie genauso glaubwürdig wie ihre langsame, über den Film hinweg andauernde Entwicklung zu einem Menschen der weiß was er zu bieten hat, und das nicht nur in der Hose.
Wer auf Strangeness steht und nichts gegen außergewöhnliche Stoffe hat, dem kann ich diesen Film also nur wärmstens empfehlen. Von mir gibts leckere 7 von 10 Penisprothesen!





klingt >sehenswert<, mal besorgen dat ding