Frontière(s) (2007)
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Neben Filmen wie [Rec] und Diary of the Dead ziert auch FRONTIER(s)/FRONTIÈRE(S) die Programmliste der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Und wer die FFN kennt, der weiß: Hier geht man am besten ohne Schwiegermutter hin. Das Konzept ist einfach: Seit 1987 präsentiert man die vielversprechendsten Neuentdeckungen aus den Bereichen “Science-Fiction, Horror und Thriller“, meistens Premieren die kurze Zeit später Kultstatus erringen in der Independentszene.
FRONTIER(S) scheint als trendiger Torture-Porn direkt in die Fußstapfen von High Tension schlüpfen zu wollen, drängt sich der Vergleich doch spätestens gegen Ende des Films auf. Gleichzeitig allerdings lehnt sich Xavier Gens gefährlich nah an den Pseudomasochismus eines Hostel-Publikums an, was doch arg an der Glaubwürdigkeit der Darstellung kratzt. Schaffte High Tension es noch durch seinen Endtwist dem Zuschauer eine eigene Story vorzugaukeln, so ziehen sich bei FRONTIER(s) die Parallelen zu anderen Filmen eiskalt durch jede zweite Szene. Puh.
Folgendes: Wir befinden uns in Paris, es wird wieder gewählt. Unsere jungen Protagonisten entgehen dem politischen Chaos in den Banlieues durch die üblichen Verfahren: Polizisten töten, sterbende Freunde ins Krankenhaus bringen, flüchten etc…
Moralisch also äußerst vorbelastet findet sich die Gruppe nach und nach nun in einer abgelegenen Absteige auf dem Land, abseits der Anarchie, ein. Bei David Lynch wäre dieser Unterschlupf jetzt bevölkert von einarmigen Ameisenbären mit roten Hüten, aber Xavier Gens (der 2007 ja erst Hitman verwurstelte) stellt seine moralisch noch viel mehr vorbelasteten “inzestuösen Folterknechte” als durchtriebene Nazifamilie dar, die den Ankömmlingen in bester do-it-yourself-Manier die Köpfe einschlagen will. FALSCH GEDACHT HAHA.
Die Rollen scheinen klar besetzt: Unsere jugendliche Bande aus Paris (wir fiebern noch mehr mit ihnen mit, da die Protagonistin zu allem Überfluss auch noch schwanger ist :shocked: ) kontra ultimatives Bösewichtmotiv in Form der Familie, die nebenbei ihre Inzestergebnisse in der Schlachthalle rumlaufen lässt.
Enttäuschend ist hier die stark einseitige und bereits bekannte plakative Darstellung dieser Sippe: Wir haben mehrere Söhne (mit Connections zur dörflichen Polizei, HALLO CHAINSAW MASSACRE!), die blind Vatis Blutvisionen folgen, zwei Töchter als sexygeiler Blickfang (wobei die eine Hälfte sich aufs saftschubsen beschränkt und auch im weiteren Filmverlauf eher komplett untergeht in ihrer Rolle) und natürlich das Mutantenkind. Als Beispiel für die verwahrlosten und unzivilisierten Zustände dieses Familienstammbaums dient Quasimodos Schwester scheinbar nur als Emotions-deko um dem Zuschauer vor Augen zu führen dass Herr Gens auch die Kunst des Gefühlkinos versteht. Tatsächlich erhält sie am Ende des Films dann doch ihre verdiente Außenseiterrolle unter all den bösen Bösen und kann bis zum “Directed by Xavier Gens” fleißig “sieisdochgarnichsoböse”-Punkte beim Betrachter sammeln.
Beobachtet man über die letzten Jahre verteilt die Horrorergüsse aus unserem Nachbarland, so fällt doch auf, dass die Franzosen scheinbar einen starken Hang zur Neoexploitation haben: JA HALLO HIER IST KEIN HAPPY END BITTE WEITERGEHEN JA! Tabuthemen werden nicht umgangen sondern ausgereizt (wenn auch nicht so effektiv wie in HIGH TENSION). Insbesondere der Bezug zum Nationalsozialismus und dessen (deutlich überzogene) Verwendung als Leitmotiv für die Gegenspieler ist in den Nazisploitation-Filmen bis in die 80er genrebezeichnend.
Eben schon angesprochen: Was andere bei FRONTIER(s) als Zitatkino verstehen kommt mir vor wie eine Mischung aus Elementen bereits gesehener Filme ähnlichen Kalibers: plakative Gewalt (ihih die Kreissäge), die romantisch-rurale Gegend, die Frauenrolle, die Charakterzeichnung und vor allem das Ende.
Unterm Strich bleibt ein genretreuer, durchschnittlich inszenierter Splatter der gerne mehr wäre. Könnte er sicher auch wenn einige der Bestandteile reduziert worden wären, der Film verlangt einfach zu viel von sich und dem Zuschauer. Was HIGH TENSION auszeichnete war die Tatsache, dass Aja sich fast grundsätzlich auf sein Katz-und-Maus Spiel einließ: es gab keine schwangere Protagonistin (was für den Plot generell uninteressant war), keinen ideologischen Hintergrund der Gegner und keine politischen Unruhen in der Heimat. So bleibt allerdings immer der schale Nachgeschmack der “Und was war jetzt mit xy?”-Frage im erschütterten Nervenkostüm des Betrachters.
Checklist:
Böse: definitiv.
nervenzerfetzend: teilweise.
messerscharf: bei weitem nicht.





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